Zwischenbemerkung I

14. April 2010

„Strategie“ von Adam Thirlwell

Oft ist es langweilig, gar banal, wenn Menschen ihrem Partner das erste Mal begegnen.Manche Menschen haben damit Schwierigkeiten. Oft ist es einfach zu banal. Das ist vor allem für Menschen schwierig, die an großartige Dinge wie Bestimmung, Schicksalsfügung und Seelenverwandtschaft glauben.

Zwischenbemerkung

31. März 2010

Ich lese gerade ein Buch so nebenher. Immer nur ca. 15-20 Seiten am Tag. In diesem Buch stehen viele Dinge, über die ich mir dann meine Gedanken mache und die mir manchmal auch sehr wahr vorkommen. Ich werde deshalb einige Bemerkungen aus diesem Roman hier zwischenschieben.

„Strategie“ von Adam Thirwell

„Genau, wie man nicht weiß, wie der eigene Magen aussieht, so wenig weiß man auch, wie die eigenen Gefühle aussehen. Dass man nicht weiß, wie der eigene Magen aussieht, liegt an der Haut darüber. Dass man nicht weiß, wie die eigenen Gefühle aussehen, liegt an der eigenen Eitelkeit und einer Anzahl anderer Ursachen. Um das Problem der Haut zu umgehen, haben wir Anatomiebücher. Um das Problem der Eitelkeit und anderer Ursachen zu umgehen, haben wir Romane.“

„Die Chemie des Todes“ Simon Beckett

31. März 2010

David Hunter ist Landarzt in einer kleinen Gemeinde in England. Dort kümmert er sich vor allem um Kinderkrankheiten und die Gesundheitsprobleme der älteren Bevölkerung. Als an einem heißen Sommertag eine stark verweste Frauenleiche gefunden wird, holt ihn jedoch seine Vergangenheit ein. David Hunter war vor Jahren Englands berühmtester Rechtsmediziner, der sich aber nach dem Tod seiner Familie in die Abgeschiedenheit zurückzog. Nun ist seine Mitarbeit gefragt, als noch mehr Frauen verschwinden. David soll herausfinden, wie lange und wo diese Frauen festgehalten werden. Die Zeit wird knapp, als auch seine Freundin verschwindet und die Dorfbewohner unter der Fuchtel des Pfarrers selbst David Hunter als möglichen Täter in Verdacht haben.

Die Idee, dass jemand sein Leben aufgrund des Todes der Familie komplett ändert, ist leider nicht neu. Wahrscheinlich gibt es wohl sonst auch keinen plausiblen Grund, für solch eine gravierende Veränderung. Wer weiß….

Der Roman an sich ist spannend geschrieben. Ich las ihn vor allem, weil mir das Cover so gut gefiel. Die Schlichtheit der Umschlaggestaltung und die riesigen Werbetafeln, die ich letztes Jahr für „Die Chemie des Todes“ sah, haben mich schon schwer beeindruckt. Schwer beeindruckt hat mich das Buch zwar nicht, aber es war trotzdem keine verlorene Zeit, es zu lesen. Die Charaktere sind solide, der Schreibstil ansprechend und die Story anregend aufgebaut.

Ich habe schon relativ früh eine Person im Verdacht gehabt, was sich dann auch bestätigte. Jedoch nur zum Teil.

Fazit: Lesenswert.

Gordon Dahlquist „Die Glasbücher der Traumfresser“

22. März 2010

Miss Celeste Temple war mit ihrem Leben zufrieden. Sie hatte ein ansehnliches Vermögen und einen ebenso ansehnlichen Verlobten, den sie zudem noch zärtlich liebte. Dieser jedoch beschloss, die Verlobung ohne nähere Erklärungen zu lösen. Nachdem Miss Temple erst Tränen vergoss, beschloss sie, der Sache auf den Grund zu gehen. Was fiel diesem Mann ein, SIE zu verlassen? Gab es gar eine andere Frau? Miss Temple nimmt die Verfolgung auf und plötzlich weiß sie mehr, als ihr eigentlich lieb ist.

Kardinal Chang ist ein Mann für’s Grobe. Er erledigt so ziemlich alles, womit sich andere nicht die Finger beschmutzen wollen. Als er sein nächstes Opfer tot vorfindet, steht sein Ruf als Auftragskiller auf dem Spiel! Wer hat sein Opfer vor seiner Nase weggeschnappt? Woran starb er? Kardinal Chang muss dies alles herausfinden!

Doktor Svenson, ein Arzt aus Mecklenburg, soll auf einen jungen Prinzen aupassen, der leider nicht viel von einem tugendhaften Lebensstil hält. Da des Prinzen Hochzeit bevorsteht, soll Doktor Svenson diesen vor Skandalen schützen. Leider ist der Prinz schon mittendrin, genau, wie der unwissende Doktor.

Die Abenteuer dieser drei Personen verknüpfen sich miteinander und alle drei wissen, dass sie aufeinander angewiesen sind. Nur sie können den Wahnsinn aufhalten, in den jeder von ihnen nur zufällig hineingeriet.

925 Seiten pures Abenteuer! Sobald man denkt, dass der Autor doch eigentlich bald zum Schluss kommen müsse, folgt eine neue Wendung. Die Geschichte wird neu zusammengewürfelt und das Abenteuer geht weiter. Zum Glück gelingt dies Dahlquist, ohne abgedroschen zu werden. Nichts wird sinnlos in die Länge gezogen, alles bleibt spannend.

Diese Buch hat mir den Atem geraubt!

Bewertung: Lesen! Lesen! Lesen!

„Die Totenwäscherin“ Helga Hegewisch

2. März 2010

Magdalena besitzt die Gabe, tote Menschen schöner zu machen, als sie es im Leben je waren.

Ihre Dienste sind selbst bei Hochwohlgeborenen gefragt. Dies verschafft ihr einerseits eine Unabhängigkeit, als auch das Misstrauen der Menschen.

Ihre Gabe gibt sie an ihre Enkelin und diese wieder an ihre Tochter.

Es ist eine sehr innige Beziehung, die Magdalena zum Tod hat. Vielleicht liegt es daran, dass ihre Nachfahrinnen niemals ihr wahres Glück erfahren können.

Das Buch beschreibt eine 200-jährige Familiengeschichte. Die Frauen der Familie kommen gut mit dem Tod zurecht, aber im eigenen Leben wird es immer schwieriger für sie.

Obwohl ich mich erst schwerfällig in das Buch hineinlas und die Formulierungen nicht immer flüssig waren, beschreibt das Buch einen Weg der Frauen einer Familie, der mich sehr beeindruckt hat. Die Charaktere werden wunderbar ausgeleuchtet. Trotz der Kürze der Lebensabschnitte, bleiben keine Fragen offen, obwohl immer noch Platz für Selbsteinschätzungen ist.

Ein schönes Buch für Winterabende, welches ich trotz des holprigen Anfangs nur empfehlen kann.

Bewertung: Man muss es nicht gelesen haben, aber man wird dadurch nicht dümmer.

Jason Starr „Stalking“

4. Februar 2010

Peter Wells ist verliebt. Verliebt in die junge, unsichere Katie, die gerade ihren ersten Job in New York angenommen hat und die er schon aus Kindertagen kennt. Leider weiß Katie nichts von dieser Liebe, denn sie datet gerade Andy, der wiederum nur daran denken kann, Katie ins Bett zu bekommen. Peter hingegen hat sich die Zukunft mit Katie schon sehr genau vorgestellt. Welch ein Glück für ihn, dass Andy kurz darauf erstochen aufgefunden wird. Die Polizei tappt im Dunkeln, Katie weint sich bei Peter aus und Peter sieht sich am Ziel seiner Vorstellungen.

Als er Katie kurz darauf einen Heiratsantrag macht, bemerkt selbst die hysterische Katie, dass Peter Wells ein ausgesprochen großes Problem hat. Sie beschließt ihn zu ignorieren. Peter dagegen sieht Katies Reaktion ganz anders. Schließlich ist er sich sicher, dass sie ihn genauso liebt wie er sie.

Durch die ersten hundert Seiten dieses Buches musste ich mich regelrecht hindurchquälen. Kein einziger der Charaktere ist liebenswert oder auch nur annähernd sympathisch. Bei Andy und seinen Freunden geht es nur ums Vögeln und Saufen, Katie ist unsicher, hysterisch und abhängig von der Meinung anderer. Die Sprache der jüngeren Charaktere ist furchtbar pseudojugendlich.

Einzig eindrucksvoll fand ich die Beschreibung der krankhaften Psyche Peter Wells‘ und die Art, wie er die Treffen mit Katie für sich bewertet. Wie sehr sich diese also von der Realität unterscheiden.

Unglücklicherwiese wiegt das weder die unangenehmen Charaktere noch die erheblichen Längen des Buches auf.

Bewertung: Jason Starr mag ja vielleicht bessere Bücher geschrieben haben, aber ich brauche dringend eine Person im Buch, die mir wenigstens etwas sympathisch erscheint – nicht sehr lesenswert.

Alan Bradley „Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet“

22. Januar 2010

Mord im Gurkenbeet

Flavia de Luce ist elf Jahre alt, besessen von Giften und im ständigen Streit mit ihren beiden älteren Schwestern. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten in ihrem Chemielabor und in der Bibliothek. Der Vater der drei Schwestern beschäftigt sich fast ausschließlich mit seiner Briefmarkensammlung und den Erinnerungen an seine Frau, die starb, als Flavia noch sehr klein war. Die de Luces leben seit undenklichen Zeiten auf Buckshaw in Großbritannien.

Gerade als Flavia damit beschäftigt ist, die Wirkung eines hautreizenden Giftes im Lippenstift ihrer älteren Schwester zu dokumentieren, ereignet sich ein Mord. Es ist Flavia, die den rothaarigen Sterbenden mitten im Gurkenbeet entdeckt, der ihr gerade noch das lateinische Wort „vale“ entgegenhauchen kann, ehe er endgültig im Beet verendet.

Als ihr Vater des Mordes verdächtigt wird, beschließt Flavia, der Sache auf den Grund zu gehen. Auf der Suche nach dem wahren Mörder, erlangt sie nicht nur Erfahrung im Umgang mit kriminalistischen Ermittlungsmethoden, ihr Pfad zum Mörder führt sie auch bis in die Kindheit ihres Vaters zurück. Was ist damals auf dem Internat ihres Vaters wirklich geschehen? Wer war verantwortlich für den Tod seines Hauslehrers? Welche Rolle spielt ihr treuer Gärtner / Chauffeur / Butler?

Natürlich wird Flavia diesen Fall lösen und sich damit nicht nur den Respekt, sondern auch den Ärger des ermittelnden Polizeiinspektors einhandeln.

„Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet“ ist der Auftakt zu einer mehrbändigen Krimiserie, die mit höchster Wahrscheinlichkeit bald sehr viele Fans zählen wird.

Flavia ist witzig, kauzig, clever und sehr erfindungsreich, was bei ihrer schrulligen Familie auch kein Wunder ist! Ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit regelrecht verschlungen. Man kann es wirklich kaum erwarten, den nächsten Band in den Händen zu halten, um zu sehen, wie sich Flavias detektivische Fähigkeiten weiterentwickeln und welche gemeinen Rachepläne sie für die Schwestern ersinnen wird.

Obwohl der Autor aus Kanada kommt, schafft er es, eine typisch britische Krimiatmosphäre zu schaffen. Es bleibt zu hoffen, dass die folgenden Romane genauso wunderbar werden, wie dieser unglaublich erfrischende Erstlingsroman.

Bewertung: unbedingt lesen!